NACHRICHTENFreitag, 28. April 2000
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Daten, Rätsel, Widrigkeiten

Auf der Suche nach der verschwundenen Festplatte von Max Strauß ist jetzt eine Kopie aufgetaucht

Ostern ist vorbei, die Suche der bayerischen Justiz nach der Festplatte des Münchner Anwalts Max Strauß geht munter weiter. Dabei ist die Augsburger Staatsanwaltschaft ganz nahe am Nest zwar nicht des Originals, aber immerhin einer Kopie. Bei ihren Asservaten müsste sich nämlich nicht nur das 1996 beschlagnahmte Notebook SKD 4000 des der massiven Steuerhinterziehung verdächtigten FJS-Sprosses befinden, sondern auch eine „neue“ Festplatte, auf die alle Daten des „alten“, vor der Hausdurchsuchung von einem Virus verseuchten und inzwischen verschwundenen Speichers kopiert worden waren. Dies hatte am 4. April 1996 vorsorglich Staatsanwalt Winfried Maier dem Sachverständigen Bernd Wißner aufgetragen, und der hatte das auch gemacht.

Es bestehe „in Erweiterung des Gutachtensauftrags Einverständnis, dass eine zumindest technisch gleichwertige Festplatte eingebaut wird, auf die der vorhandene Datenbestand aufzunehmen ist. Die ausgebaute Festplatte bitte ich an die Fa. Convar Systeme zur Auswertung zu überbringen“, schrieb Maier damals dem Gutachter. Dem Generalstaatsanwalt in München teilten die pfiffigen Augsburger Ermittler mit, dass an die Einschaltung eines Sachverständigen zur Rettung der Strauß-Daten nicht gedacht sei.

Die Firma Convar in Pirmasens behielt das brisante Beweisstück bis zum August 1996 und schrieb im „Labor- und Prüfbericht 813333“, dass „kein zufrieden stellendes Ergebnis erzielt werden konnte“. Wißner, ein angesehener Experte, unternahm weitere Leseversuche und schaltete Hans-Jörg Diers, einen Spezialisten für Restwertverstärkung, ein. Dann verliert sich die Spur der Originalfestplatte.

Die Firma Convar hat Anfang der Woche der Augsburger Staatsanwaltschaft einige Materialien aus ihrer damaligen Untersuchung übersandt, aber Hoffnungen gedämpft, mit einer 1996 gezogenen Arbeitskopie doch noch Daten lesbar zu machen. Nach einem Firmenumzug befänden sich die für eine neue Auswertung nötigen Unterlagen in England, die Chancen, sie wieder zu finden, seien „gering“, teilte ein Convar-Sprecher am Donnerstag mit. Auch die Arbeit an der in Augsburg gezogenen Kopie sei wenig erfolgversprechend, da sie kaum noch Restmagnetismus aufweisen dürfte. Hätten die Bayern 1996 mehr ausgegeben, wäre es laut Convar möglich gewesen, zumindest sieben Megabyte unzusammenhängend lesbar in einzelnen Segmenten von der Festplatte zur Verfügung zu stellen, sagte der Sprecher zur SZ. In Augsburg habe es aber geheißen: „Das ist uns keine 10 000 Mark wert“. Daraufhin habe Convar die Arbeit einstellen müssen.

Dabei waren die Datenretter 1996 auf faszinierende Fragmente eines „Master-Projekts“ von Strauß gestoßen, das die Ermittler elektrisieren dürfte. „Master“ war der Geheimcode, den der Strauß-Spezi und Waffenhändler Karlheinz Schreiber bis 1990 für ein mit Millionen Franken gefülltes Schweizer Konto benutzte, auf dem Airbus-Provisionen gesammelt wurden. Die Staatsanwälte rechnen das Konto, das später in „Maxwell“ umbenannt wurde, Strauß zu, suchen aber noch nach Beweisen. Strauß bestreitet aber, dass die Konten etwas mit ihm zu tun haben.

Michael Stiller


Bildunterschrift:

Max Strauß bestreitet, dass auf der Festplatte Daten über ein Provisions-Konto zu finden sind.

Foto: dpa

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ArtikelSZ vom 28.04.2000 - Nachrichten
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