BAYERNDonnerstag, 27. April 2000
 Bayern Seite L11 / Deutschland Seite 48 / München Seite L11

Stasi-Akten und verschollene Festplatte

Staatsanwaltschaft hat
doch Strauß-Daten

Disketten mit Adressen und Hinweis auf Schreiber-Firma

Von Michael Stiller

München – Über die abhanden gekommene Festplatte aus dem Laptop des Münchner Anwalts Max Strauß und über die Beschaffung und Vernichtung von Stasi-Akten durch das Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz im Jahr 1990 werden die Minister Manfred Weiß (Justiz) und Günther Beckstein in der nächste Woche im Landtag berichten. Das Verschwinden des möglicherweise wichtigen Beweismittels bei den Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung gegen Strauß junior wird am Mittwoch den Rechtsausschuss beschäftigen, der Umgang mit brisantem Stasi-Material durch bayerische Behörden wird am Dienstag auf Antrag der SPD im geheim tagenden Parlamentarischen Kontrollgremium erörtert.

Beide Fälle wiesen „ein beachtliches Maß an Merkwürdigkeiten“ auf, sagten die SPD-Politiker Franz Maget und Thomas Jung am Mittwoch bei der Vorlage eines umfangreichen Fragenkatalogs zu den Stasi-Akten. Alois Glück (CSU) nannte dies „schaumschlägerisch“, da die Fragen im Gremium nur „nichtöffentlich“ beantwortet werden könnten. Grünen-Abgeordnete Elisabeth Köhler forderte eine öffentliche Landtagssitzung.

Von den Daten auf der Strauß-Festplatte, die 1996 kurz vor der Beschlagnahme durch einen Virus unleserlich gemacht worden waren, versprachen sich die Augsburger Staatsanwälte Aufschluss über Strauß-Geschäfte mit dem Waffenhändler Karlheinz Schreiber. Sie hegen den Verdacht, dass Strauß zwischen 1988 und 1995 für den Verkauf von Airbus-Flugzeugen mehrere Millionen Mark kassiert, aber nicht versteuert hat. Aufsichtsratschef von Airbus war bis zu seinem Tod 1988 Franz-Josef Strauß.

Experten konnten 1996 die Festplatte nicht lesbar machen. Jetzt sollte das „Bundesinstitut für Sicherheitstechnik“ einen neuen Versuch unternehmen, doch das Beweisstück ist inzwischen verschwunden. Die Spezialfirma Convar hatte der Staatsanwaltschaft allerdings am 7. August 1996 angeboten, „die ausgelesenen Daten in Form eines CD-Mediums“ zur Verfügung zu stellen. Die Dateistruktur der Fragmente sei aber so klein, dass eine spezifische Auswertung nicht möglich sei. Ob die Staatsanwaltschaft sich diese CD gesichert hat, ist nicht bekannt. Allerdings verfügt sie nach Informationen der SZ über zahlreiche Disketten, die ebenfalls bei Strauß beschlagnahmt worden waren, so über ein Backup einer Datei „Maxdat“. Dies sei eine ältere Version der Adressdatei, schrieb der Sachverständige Bernd Wißner 1996. Er fand auch einen Dateirest zur „Bayerischen Bitumen Chemie“ – einer Firma des Strauß-Partners Schreiber.

übergeordnete Folder
Titel
ArtikelSZ vom 27.04.2000 - Bayern
siehe auch
DatumSeiteRessortKolumneGröße
27.04.2000Bayern Seite L11Bayern 255 Wörter
ArtikelQuelle:Süddeutsche Zeitung
Titel:Die CSU als Schutzengel
 Die Strauß-Festplatte ist weg, die Stasi-Akten sind natürlich auch weg – wir leben in einem sauberen Land. Nicht die Tatsache, dass 1990 vagabundierende Dossiers vernichtet wurden, macht ...
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Eine Dienstleistung der DIZ München GmbH
A010.391.240